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Leseprobe
Buch XVIII:
Der Zweite Weltkrieg - Aus dem Kriegstagebuch des Oberkommandos
der Wehrmacht - Teil 3 |
3. Mai 1945
In der Reichshauptstadt setzen Reste der tapferen
Besatzung in einzelnen Häuserblocks und im Regierungsviertel
ihren heroischen Widerstand gegen die Bolschewisten immer noch fort.
Bei heftigen örtlichen Kämpfen blieb die
Lage in Nordwestdeutschland zwischen Ems und unterer Weser im allgemeinen
unverändert. Beiderseits des Elbe-Trave-Kanals stießen
die Engländer aus dem Raum Mölln auf Lübeck vor und
nahmen die Stadt. Vorgeworfene feindliche Abteilungen erreichten
Bad Segeberg und den Raum nordwestlich Plan. Die von Schwerin nach
Norden und Nordwesten angreifenden Amerikaner drangen bis zur Küste
bei Wismar und in den Raum Gadebusch vor.
In Mecklenburg haben unsere Truppen die Linie vom
Flauer See bis Rostock gegen starke Angriffe der Bolschewisten im
wesentlichen gehalten.
In Bayern wurden unsere zusammengeschmolzenen Kräfte
von den Amerikanern auf den Inn zurückgedrängt. Die Verteidiger
von München sind der feindlichen Übermacht erlegen. Beiderseits
des Würmsees erzielte der Gegner tiefe Einbrüche und bildete
südlich Rosenheim einen Brückenkopf auf dem Ostufer des
Inn. Am Bodensee sind Straßenkämpfe in Bregenz im Gange.
Von der Westalpen-Front kämpften sich unsere
Truppen unter schwierigsten Bedingungen weiter nach Nordosten zurück.
Am Nordteil des Garda-Sees hält der feindliche Druck an. Die
gegen die Voralpen angreifenden feindlichen Kräfte drangen
im Castelfranco und in Bassano ein. In Istrien behauptet sich die
Besatzung von Fiume gegen konzentrische Angriffe des Gegners. Auch
an der kroatischen Ostfront hielten unsere Truppen ihre Stellungen
trotz zahlreicher Angriffe starker Bandenkräfte.
An der Ostfront setzten die Bolschewisten ihre Durchbruchsversuche
im Abschnitt Nikolsburg fort. Sie blieben bis auf örtliche
Einbrüche erfolglos. Nordöstlich Brünn konnte der
Feind seinen Einbrauchsraum erweitern und nach harten Kämpfen
Wischau nehmen. Südwestlich Mährisch-Ostrau wurden die
Sowjets nach einigen Kilometern Bodengewinn durch sofort angesetzte
Gegenstöße aufgefangen. Auf der Frischen Nehrung halten
die schweren Abwehrkämpfe an. Aus Kurland wird nur örtliche
Kampftätigkeit gemeldet.
Die feindliche Luftwaffe führte vor allem im
norddeutschen Raum zahlreiche Tiefangriffe und setzte den Terror
gegen die Zivilbevölkerung fort.
Das Oberkommando der Wehrmacht gibt ferner bekannt:
Das Oberkommando der Wehrmacht hat die Marinestützpunkte Kiel
und Flensburg zu offenen Städten erklärt und angeordnet,
daß sie nicht zu verteidigen sind.
Ergänzend zum Wehrmachtbericht erfahren wir
von militärischer Seite:
In der Reichshauptstadt brachten die Sowjets am
Mittwoch noch einmal die ganze Fülle ihres Kriegsmaterials
zur Anwendung, um den Widerstand der fanatisch kämpfenden Besatzung
zu zerbrechen. Fortgesetzt rollten die Salven der Geschütze
und Werfer; ununterbrochen gingen Bomben nieder, und pausenlos ratterten
die Maschinengewehre. Durch die zusammenstürzenden Häuser
der Altstadt schoben sich die feindlichen Panzer und Sturmbataillone
schrittweise vorwärts. Hochgehende Sprengungen zerrissen Bunker
und Untergrundbahnschächte. Ihre Trümmer begruben Verteidiger
und Angreifer. Im Regierungsviertel erfüllen die Helden von
Berlin mit letzter Kraft das Vermächtnis des Führers.
Die zahlreichen, auf sich selbst gestellten Widerstandsnester machen
dem Feind immer noch schwer zu schaffen. Südwestlich und westlich
Berlin kämpfen sich unsere Truppen nach Aufnahme der aus der
feindlichen Umklammerung abgebrochenen 9.Armee nach Nordwesten zurück.
Sie schlugen schwere Flankenangriffe ab und hielten den Verbindungskorridor
durch zähen Widerstand bei Brandenburg und Rathenow offen.
Das Schwergewicht der bolschewistischen Angriffe
lag in Mecklenburg. Hier drängt der Feind zwischen dem Plauer-See
und der Mecklenburger Bucht mit mehreren starken Stoßkeilen
nach Westen. Seine Angriffe brachen im wesentlichen zusammen. Den
in breiter Front anstürmenden Sowjets stoßen aus dem
Raum Mölln-Lübeck starke britische Kräfte entgegen.
Vorgeworfene Panzergruppen nahmen bei Grabow und Wismar die Fühlung
mit den Bolschewisten auf. Ein zweiter, im oberen Trave-Gebiet nach
Norden vorstoßender britischer Keil erreichte die Linie Bad
Segeberg?Plön und schob sich im Laufe des Donnerstags durch
das unverteidigte Gebiet von Kiel mit Spitzen bis in die Gegend
von Eckernförde vor. Unsere Flieger sicherten die eigenen Absetzbewegungen
gegen fortgesetzte britische Tieffliegerangriffe. Zwischen Hamburg
und Leer führten die Briten nur örtliche Angriffe bei
Stade, Oldenburg und dem Mündungsgebiet der Ems; ins Gewicht
fallende Fortschritte blieben ihnen versagt.
Im südlichen Widerstandsraum zwischen München
und Brünn, Dresden und St. Pölten drängte der Gegner
unsere zusammengeschmolzenen Kräfte im Alpenvorland und Niederbayern
weiter zurück. Im Bodenseegebiet sind bei Bregenz harte Kämpfe
mit dem in Richtung auf die Schweizer Grenze und gegen den Arlberg-Paß
drängenden Feind entbrannt. Versuche der Anglo-Amerikaner,
von Füssen und Partenkirchen aus die Wasserscheide zwischen
Isar und Inn zu überschreiten, scheiterten, während östlich
München feindliche Panzerspitzen bei Rosenheim einen Brückenkopf
bildeten. Die nach schweren Straßenkämpfen in München
nunmehr freigewordenen Teile der 7.amerik. Armee haben sich ebenfalls
den Angriffen gegen die Inn-Linie angeschlossen. Im Raum von Passau
sind jedoch immer noch starke feindliche Kräfte gefesselt,
so daß nur Teilkräfte im Donau-Tal abwärts vorfühlen
konnten.
Im Böhmerwald, in der Lausitz, längs den
Sudeten und bei Brünn kam es nur zu räumlich begrenzten
Kämpfen. In der Lausitz vertieften unsere Truppen am Vortage
erzielte Einbrüche im feindlichen Hauptkampffeld. Die Besatzung
von Breslau wies abermals stärkere sowjetische Angriffe ab.
In Mährisch-Ostrau und beiderseits Brünn vereitelten unsere
Verbände die Durchbruchsversuche der bei Wittkowitz, Wischen,
Brunn, Nikolsburg mit erheblichen Kräften angreifenden Bolschewisten. |